Marienthal - Klosterdorf im Westerwald
Urlaub im Westerwald

Wallfahrtsort Klosterdorf Marienthal im Westerwald 

Marienthaler Heilquelle 

Zum weiteren Bekanntwerden des Wallfahrtsortes Marienthal trug ein Ereignis bei, was heute fast vergessen scheint. Im Jahr 1697 stieß man auf einen alten Heilbrunnen, der freigelegt wurde, als eine Erweiterung der Klostermauer vorgenommen wurde.

Pater Gabriel Busch O.S.B beschreibt den Fund in seinem Buch "Zwei Wallfahrtsorte - Hilgenroth und Marienthal" sehr anschaulich und belegt durch eine uralte Quelle.

"Als man 1697 die Fundamente zu einer Gartenmauer ausheben wollte, stieß man auf den alten längst vergessenen Heilbrunnen. Unter dem unmittelbaren Eindruck der Entdeckung berichtete darüber spontan der Guardian Matth. Rütthen seinem Landesherren, dem Grafen Salentin:

Kann und mag Ew. hochgräfl. Excellentz nit verbergen, wie dass wihr 1697 den 5. Septembris abentz umb 7 Uhr ungefehr, da die meurer die Fundamente gegraben zur newen maur ad pedem Montis in dem newen gemachten Garten, gerad gegen dem klösterlein über, komen seind auf einen pütz und brünnenquell, so da aus drei sträng, deren einer fleusst oder herkombt von Sonnen auffgang, der andere von mittag, der dritte strang von Sonnenundergang; die zwei letztere seind die stärkste. Diese drei streng fallen den berg herunter über einen kiesgrund, so doch wegen lenge der Zeit nichtz hat abgenohmen. Ein theil des wassers fleusset in den hier beistehenden Pütz, das übrige Wasser wird durch einen gefundenen und bishero allen menschen unbekannten schönen canal durch den garten mit schönen steinen abgeführt, ohne zweifel in das bechelge immidiativ vor dem Kloster.

Wegen Ursachen mag nit zulassen, dass man den brunnen kasten suchen, wo er gefasst ist. Der pütz wahre mit schönen steinen, als währen sie gehubbelt gewesen, rund umbgemauert, aber ad orientem eingefallen, und wahre bedeckt mehr dan mit zehen Schuch hoch Erden und steinen.

Der boden oder grundt dieses pützess ist belegt mit einer schönen glatten runden stein platten so eben in der rönde so breith und weith alls der pütz ist. Das wasser des pützes ist ungefehr tief zwey Schuch, brauset und rauschet tag und nacht eben strack und hat ohne zweifel also gelaufen 2 oder 300 jaren. Es ist schad, dass kein jarzahl am pütz sich befinde.

Und wie ein theil des wassers in den pütz hinein fleusst, also fleusst es unvermerkt wider hinauss in den gemelten canal. Der mundt, da die streng oder quellen am berg herbei schiehsen, war bedeckt mit einem großen schweren stein, daran zwey Männer zu heben.

Dass wasser ist eyhs kalt und hell wie ein gristall, schmecket ein wenig; wan man schon dessen ein gantz mahs nüchteren drinket, so causieret es doch dem magen und gliederen gare keine geschwerniss, und ist lieblich und anmutig zu drincken. Alte Leuth von 70 und 80 jahren sagen auss, dass sie von ihren Vateren und gross vateren gehört hätten, alss wan zu marienthall ein Heilbrunnen gewesen sey, aber kein mensch wüsste, wo er hingekommen sey. Ob ess nun derselbige sey, dass ist dem lieben Gott alleine bekannt." (P. Gabriel Busch O.S.B.)

Der Ruf der Heilquelle zog immer mehr Menschen von nah und fern nach Marienthal.  Seit dem 18. Jahrhundert scheint sie verschollen oder wurde überbaut. Es gibt auch Gerüchte, dass sie versiegt sei, als der Tunneldurchstrich von Marienthal nach Obererbach im Rahmen des Bahnbaues erfolgte.

Vielleicht wurde die Heilquelle in den letzten 400 Jahren aber auch nur durch Geröll und Humusbildung verschüttet und wartet darauf, wiedergefunden zu werden.