Marienthal - Klosterdorf im Westerwald
Urlaub im Westerwald

Wallfahrtsort Klosterdorf Marienthal im Westerwald 

Erste Blüte

Mit der Etablierung der Wallfahrtskirche in Marienthal um 1500 nahmen auch die Opfergaben zu, die Pilger in Marienthal spendeten.

"Zur Aufnahme des Geldes diente ein Opferstock, der mit zwei Schloßgehängen versehen war. Den Schlüssel zu dem einen Schloß verwahrte der Kaplan, während die Kirchgeschworenen den zum anderen Schloß in Gewahrsam hielten. ..... Die Öffnungen wurden mehrmals im Jahr, zumal nach hohen Festen vorgenommen. Im Jahr 1994, am Mittwoch nach Ostern fanden sich darin 64 Gulden, 1502, am Mittwoch nach Allerseelen 45 Gulden. Bei anderen nicht näher bezeichneten Gelegenheiten kamen 21 bis 71 Gulden zum Vorschein. Die Beträge müssen als sehr hoch bezeichnet werden, wenn man etwa das Gehalt des Kaplans zum Vergleich heranzieht, das sich ja auf 40 Gulden (Jahresgehalt) belief." (J.Wirtz, S. 47)

Die eingenommen Spenden dienten dem Ausbau und der Sanierung der Wallfahrtskirche. Besonders in Hinblick auf das spätere Wirken von Friedrich Wilhelm Raiffeisen in unserer Region ist die nachfolgende Beschreibung des Autors sehr interessant.

"Im übrigen wurden die angesammelten Gelder gegen Ausfertigung von Schuldbriefen ausgeliehen. Der soziale Wert einer solchen kirchlichen Geldausleihstelle ist für die Zeit, wo es noch keine Darlehnskassen gab, nicht gering anzuschlagen. ... Die Jahrespension, wie man den Zins nannte, wurde in jedem Falle besonders vereinbart und betrug durchweg 2-4%. Auch setzte man dem rückständigen  Zahler nicht scharf zu. Die ausgebliebenen Zinsen wurden aber der Schuldsumme hinzugerechnet. .... Im Jahr 1563 waren im ganzen 2317 Gulden an 63 Personen ausgeliehen." (J.Wirtz, S47f)

"Großen Pilgerandrang brachten für Marienthal die drei mit Jahrmärkten verbundenen Kirmessen, auf denen Händler, namentlich aus Siegen und Olpe, ihre Waren feilzuhalten pflegten. Das eigentliche Kirchweihfest wurde am Sonntag, nach dem Feste des hl. Gereon gefeiert und der Hauptmarkt schein jeweils nach Palmsonntag stattgefunden zu haben. Die dritte Kirmes fand auf Maria Wurzweih (Maria Himmelfahrt) statt." (J.Wirtz, S 48)

"Die Pilger kamen naturgemäß meist aus benachbarten Orten, so aus Roispe (Rosbach) Oekenroide (Uckerath), Crombach, Meischeid, Olpe, Daaden, Eckenhagen, Segelar (Sieglar), Hammerstein, Lülsdorf, Siegburg, aber auch aus entfernteren Gegenden wie Neuß und Düren.

Da Marienthal zu dieser Zeit keine eigenen Übernachtungsmöglichkeiten bot, mussten die Pilger ins 20 Minuten entfernte  Hilgenroth ziehen, wo sich eine 1433 die neuerbaute Liebfrauenkirche befand. ... Von Marienthal zogen die Prozessionen gewöhnlich noch weiter nach Marienstatt und nach Marienberg, wo sich ebenfals berühmte Gnadenbilder befanden. Bemerkenswert ist, daß sich zu Marienthal eine Bruderschaft gebildet hatte, der wohl vor allem Marienverehrer aus der Nähe beitraten."

(J.Wirtz, S 49f)